Case History Course


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07. Februar 2009


Theorie am Patienten:
GRK1172-Stipendiaten testen beim Case History Course den Ernstfall

Wohin geht meine Forschung? Und wer profitiert davon? Bin ich in der Lage neue Therapieansätze zu finden? Und kann ich die Konsequenzen abschätzen? Fragen über Fragen stellen sich den jungen Wissenschaftlern des GRK1172 fast jeden Tag, während sie oft wochenlang über Zellentwicklungen brüten und nach Rückschlägen oft einen neuen Ansatz und neue Motivation finden müssen. Zwei Tage lang drehe sich nun für 16 Doktoranden des GRK1172 alles rund um den Patienten

Echte medizinische Fälle

Der jährlich stattfindende Case History Course, der am Wochenende bereits zum vierten Mal im Georg-Speyer-Haus durchgeführt wurde, ist unter den GRK1172-lern ein geschätzter Leitfaden zur praxisbezogenen Forschung. Hier werden echte medizinische Fälle vom jeweils behandelnden Mediziner präsentiert und Diagnose und Therapie erstellt. Vor allem für die Nicht-Mediziner, also den Biologen, Pharmazeuten und Chemikern, werden extra medizinische Themen vorbereitet, um sie mit dem patientenorientierten Arbeiten vertraut zu machen. Für sie ist dieser Kurs ein unverzichtbarer und gleichzeitig spannender Teil des GRK1172-Programmes.

Teamarbeit gefragt

Eingeteilt in Vierergruppen bekamen die Doktoranden jeweils einen medizinischen Fall zugeteilt. Der behandelnde oder zumindest ein mit dem Patient vertrauter Arzt präsentierten das erste Gespräch mit den Patienten sowie erste festgestellte Symptome. Im Fall von Dr. Ursula Dietrichs (Georg-Speyer-Haus) und Dr. Thessa Lennemanns (HIV-Zentrum) handelte es sich um ein Kind eines afrikanisch-europäischen Paares, welches Fieber, Darmentzündung und eine niedirge Anzahl der CD4 T-Helferzellen aufwies. Eine rege Diskussion entstand um mögliche Krankheitsbilder. Spezifische Fragen wurden an die Betreuerinnen gestellt, Lehrbücher und Internet konsultiert und nach über zwei Stunden konnte man die Diagnose stellen: HIV. Mögliche andere Krankheiten wie Leukämie, eine Autoimmunerkrankung oder eine CMV-Infektion konnten aufgrund eines entscheidenden Faktors bereits im frühen Statium ausgeschlossen werden: das Kind war kleiner als normal und wies nach anfänglich guter Entwicklung einen Wachstumsstop auf. Als die Frage nach dem Resultat eines HIV-Tests von seiten




der Doktoranden kam, war der Fall klar. Das Krankheitsbild, entscheidende diagevailische Parameter und Differentialdiagnosen wurden mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation den anderen Studenten vorgestellt.

Neue Therapieansätze

Nun ging es für die GRK1172-ler zur Sache: Therapien mussten aufgezeigt und neue Therapieansätze entwickelt werden. „Das ist schon ein verrückter Teil, weil man von dem bestehenden Wissen um Therapien etwas ganz Neues machen soll“, so Dr. Ursula Dietrich, die vor allem vom schnellen und gründlichen Arbeit ihrer Gruppe beeindruckt war. Als Abschluß des zweitägigen Case History Course präsentierten die GRK1172-ler ihre innovativen Therapieansätze und stellten sich der Gruppendiskussion an der auch Mediziner und Forscher teilnahmen, die manchen interessanten Ansatz fanden jedoch auch manchen durch theoretisches Wissen oder durch bereits durchgeführte Forschungen aufgrund von therapeutischen Nebeneffekten widerlegen mussten.

Ziele sehen und besser fokussieren

Eine gute Gruppenkoordination war in diesem Kurs wie in der Wissenschaft generell unerlässlich. „Gerade das ist es, was die Doktoranden schätzen: Es ist aus dem echten Leben gegriffen“, so Dr. Ursula Dietrich. Bei diesem Case History Course seien viele „Frischlinge“ gewesen, die erst ein knappes Jahr, wenn überhaupt, dabei wären, obwohl es ein Kurs gegen Ende der Doktoranden-Zeit sei, aber trotzdem hätten es alle echt gut hinbekommen. Die HIV-Forscherin des Georg-Speyer-Hauses zeigte sich positiv überrascht und enthusiastisch hinsichtlich des weiteren wissenschaftlichen Werdeganges.

Vorlesung zur Vorbereitung

Natürlich konnte man einen so anspruchsvollen Kurs nicht ohne Vorbereitung angehen. PD Dr. Ulrike Köhl (Kinderklinik) war mit in die vorangehende Vorlesung „Basics in Medicine“ involviert: „Der Stoff ging quer durch die gesamte Medizin. Wir haben versucht, den größten Teil abzudecken.“ So befanden sich die GRK1172- Studenten in einer gut vorbereiteten Situation und nannten den Kurs „sehr anregend“. Kerstin Rose, die in Dr. Ursula Dietrichs Gruppe rund um das HIV-positive Kind war, war vor allem vom letzten Teil begeistert: „Was Neues herauszufinden, hat mir gut gefallen“, so die Diplom-Biologin, die seit März 2008 beim GRK1172 dabei ist.